Financial Times DeutschlandAus der FTD vom 22.12.2004 Die Kraft der Kunst Von Anne Katharina Knieß Erfolgreich führen durch die Bilderstrategie Franz-Josef Löhrer Dumont 2004, 152 S., 29,90 Euro, ISBN 3832174338. Jeder Manager strebt danach, seine Qualitäten zu optimieren. Aber sich deshalb an Kandinsky, Magritte oder Man Ray zu wenden? "Wenn man in der Praxis tätig ist", sagt Franz-Josef Löhrer, "weiß man, dass das Handeln vor allem von der Intuition gesteuert ist". Hier greift seine "Bilderstrategie", wirken Bilder doch auf der nicht-rationalen, emotionalen Ebene. Als Ausgangspunkt aller Veränderung beschwört Löhrer die Kraft des Traumes und der Visualisierung. "Wenn du es träumen kannst, kannst du es auch machen", zitiert er Walt Disney - und stellt ihm das Bild eines kleinen Hochstands inmitten von blühenden Blumen zur Seite. Die "Zeit-Horizonte" behandeln die dem mechanistischen Führungsstil abgehende Qualität der Zeit, "in sich zu gehen" für "Schönheit und Ideen" und für "eigene Gedanken". Der frühere Unternehmensberater Löhrer, wohl wissend um die schnell wechselnden Management-Moden, stellt eigene Gedankensplitter und literarische Zitate assoziativ Bildern gegenüber. Da finden sich Duane Hansons "Frau mit Einkaufswagen" und ein Zitat von Eugène Delacroix ("Wir arbeiten nicht nur, um etwas zu produzieren, sondern auch, um der Zeit einen Wert zu geben") sarkastisch auf einer Doppelseite. Anhand M. C. Eschers "Wasserfall", dessen Fluten die Sinne täuschend in Wahrheit immer im Kreis laufen, werden die Leser gefragt, ob "tatsächlich noch alles im Fluss" ist. Wer mäkelt, dass die Kunst wieder einmal als gefällige Dekoration für artfremde Reflexionen herhalten muss, der sei getröstet: Löhrer liebt die Kunst, weiß daher um ihre Kraft. Nicht zufällig, so meint er, werde sie zu gegebener Zeit sogar verbannt oder verbrannt. Auf diesem Wege widersetzt er sich dem unseligen Habitus vieler Führungskräfte, sich und ihre Unternehmen mit Kunst aus Prestige-Gründen zu schmücken, sich ihrer Botschaften aus Furcht vor Selbsterkenntnis aber zu verschließen. Sich-Ändern verunsichert und ängstigt, muss aber sein. Deshalb ist "Erfolgreich führen durch die Bilderstrategie" mehr als ein Meditationsbuch für gestresste Manager, mehr als ein schön und lebendig zusammengestellter Bildband für reuige Stunden hart durchgreifender Führungskräfte. Wer sich auf Löhrers Gedankenwelt einlässt, wird zunächst gezwungen, wie in einem Spiegel seinen eigenen Glaubenssätzen ins Gesicht zu schauen. Und dann? Bleibt für den Arbeitsalltag das Prinzip Hoffnung. Franz-Josef Löhrer, der mittlerweile als Vertriebschef in der Continentale Versicherungsgruppe arbeitet, trifft an Universitäten und Instituten zunehmend Verfechter assoziativer Methoden - Idealisten, die sich der Humanisierung der Arbeits- und Geschäftswelt verschrieben haben. © 2004 Financial Times Deutschland URL des Artikels: http://www.ftd.de/so/br/1103369920196.html